Spätantike: Das Ende der Römerherrschaft am Rhein

Römerzeit

Kaiser Probus hat die Grenze des Römischen Reiches an den Rhein und die Donau zurückgenommen, und damit den Limes und das Dekumatland aufgegeben. Zugleich hat er die besiegten Franken und Alemannen zu Föderaten Roms gemacht. Für einige Jahrzehnte herrscht Frieden an der Rheingrenze.

Tetrachie

Am Ende des 3. Jahrhunderts kommt mit Diokletian (284-305) wieder ein starker Herrscher auf den Thron. Ihn verbinden wir mit der Vier-Männer-Herrschaft und schlimmen Christenverfolgungen. Mit Diokletian beginnt die Spätantike.

Diokletian (284-305) ordnet die Provinzen neu: Germania Inferior bleibt weitgehend unverändert, nur der Name ändert sich in Germania Secunda, Germania Superior wird aufgeteilt: der Teil nördlich von Argentorate/Straßburg bleibt und heißt nun Germania Prima. Diokletian verfügt auch eine Heeresreform: ab nun gibt es reine Grenzheere (Limitanei), und Bewegungsheere im Hinterland (Comitatenses).

Bis 295 ist die Legio I Minervia als Limitanei (Grenzheer) in Bonn durch Inschriften nachgewiesen. Eine Vexillation ist vermutlich für einen Feldzug Mitkaiser Maximians gegen die aufständischen Bagauden Galliens abgestellt. Auch heißt es, dass die Legion die Usurpation des Carausius in Britannien unterstützt hat. Dann enden die schriftlichen Quellen in Bonn. Die Lagervorstadt wird nicht mehr aufgebaut, die verbliebene Zivilbevölkerung lebt im Legionslager. Lebten im dritten Jahrhundert noch ungefähr 21.000 Menschen in Bonn, sind es in der Spätantike nur noch 3.000-4000.

Kastell Deutz

Die Tetrarchie hat keinen Bestand. In einem blutigen Machtkampf setzt sich Konstantin gegen seine Mitkaiser durch.

Um 310 wird die Rheingrenze neu befestigt. Konstantin selbst kommt in die C.C.A.A. Das Kastell Deutz (castellum divitia) wird auch mit Steinen vom Drachenfels gebaut von Männern der Legio XXII Primigenia, auch "divitenses" genannt. Zugleich entsteht die erste feste Rheinbrücke aus Holz, sie verbindet das Kastell mit der Stadt. Für einige Jahre herrscht an der Rheingrenze relative Ruhe.

Als nach dem Tod Konstantins 337 erneut ein blutiger Machtkampf ausbricht, dringen die Alemannen und Franken erneut über den Rhein. 353 zerstören die Franken zerstören das Bonner Legionslager, 355 erobern und plündern sie Köln. Konstantins Neffe Julian, damals Unterkaiser in Gallien, kann sie nach heftigen Kämpfen über den Rhein zurückdrängen. Er erobert Köln zurück und lässt das Bonner Lager neu aufbauen und befestigen.

Wenig später wird Julian "Apostata" Kaiser (361-363). Rom gestattet den Franken, sich in Toxandrien (im heutigen Belgien) anzusiedeln. In den nächsten Jahrzehnten kommen immer mehr, bis sie schließlich, nunmehr Salfranken genannt, die größte ethnische Gruppe sind. Viele von ihnen, unter ihnen die frühen Merowinger, dienen in der Römischen Armee. Die rechtsrheinischen Franken hingegen bleiben Feinde des Reiches.

Reichsteilung

Im Jahr 395 teilt Kaiser Theodosius das Römische Reich unter den Söhnen in ein Weströmisches und ein Oströmisches Reich. Während das Oströmische Reich eine Zeit relativen Friedens erlebt, führt das Weströmische Reich einen ständigen Abwehrkampf. Sein Heer besteht zunehmend aus Fremden, auch die Heermeister sind überwiegend Germanen. Im 5. Jahrhundert sind sie die starken Männer im Weströmischen Reich. Auch die Westgoten leben als Verbündete (foederati) auf römischem Gebiet. Mehrfach ficht Kaiser Theodosius I. Thronkämpfe im Westen aus, und stets sind die Verluste bei den westgotischen Hilfstruppen besonders hoch. Zugleich zerstören die Hunnen ihre Siedlungsgebiete. Schließlich ziehen sie unter ihrem Anführer Alarich ins Westreich.

Zusammenbruch der Rheingrenze

Um 401/402 stehen die Westgoten stehen in Italien. Kaiser Honorius zieht mit seinem Hof nach Ravenna, das als uneinnehmbar gilt. Sein Heermeister Stilicho, ein Vandale, kann die Goten besiegen. 405/406 fällt ein weiteres gotisches Heer in Italien ein, und auch Alarichs Truppen stehen noch an der Grenze.

In dieser Notsituation ziehen die Römer Truppen vom Rhein ab. Daraufhin überschreiten Tausende Vandalen, Sueben und Alanen bei Mainz den zugefrorenen Rhein, überrennen die romtreuen Franken auf der linken Rheinseite und dringen bis tief nach Gallien ein. Für Jahrzehnte herrschen Anarchie und Not. Mit Unterstützung der Hunnen zerschlägt der römische Heermeister Flavius Aëtius 436 das Burgunderreich am Mittelrhein. Fränkische Scharen erstürmen Köln. 440 erobern die Römer die Stadt zurück, 446 fallen die Franken wieder ein. Noch einmal können die Römer sie zurückdrängen, doch das Ende der Römerherrschaft zeichnet sich ab.

Attila

Der Hunnenkönig Attila ist Herr über ein Riesenreich von der Wolga bis an den Rhein, und der mächtigste Mann der bekannten Welt. Für Rom hatte der mächtige Heermeister Flavius Aëtius lange Zeit gute Beziehungen zu den Hunnen gepflegt. Doch dann kommt es zum Bruch; Attila zieht gegen Westrom. 450/451 stehen die Hunnen am Rhein. Die rechtsrheinischen Franken unterwerfen sich und müssen als Hilfstruppen mit Attilas Heer ziehen.

Auf den Katalaunischen Feldern treffen die beiden Heere im Jahr 451 aufeinander. Nur etwa die Hälfte der Soldaten in Attilas Streitmacht sind Hunnen, die andere Hälfte Ostgoten, Gepiden, Burgunder und rechtsrheinische Franken. In Aëtius' Heer stellen die Westgoten die Hälfte der Soldaten, die andere Hälfte sind Weströmer, linksrheinische Franken, Burgunder und Alanen. Aëtius und seine Verbündeten siegen, und Attila zieht sich aus Gallien zurück. Zwei Jahre später stirbt er, das Hunnenreich bricht auseinander. Aëtius überlebt ihn nicht lange, 454 wird er ermordet.

Das Ende der Römerherrschaft am Rhein

Der letzte römische Feldherr am Rhein ist Aegidius. Wie sein Freund, der Kaiser Majorian, stemmt er sich letztlich vergeblich gegen den Machtverlust Westroms. 455 wird Köln endgültig von den Franken erobert. Die römische Herrschaft im Rheinland ist vorbei; um 475 ist auch die lateinische Sprache verschwunden.