Die Erddrachen

Die Erddrachen

In der Gegend um Remscheid und am gegenüber liegenden Ofenkaulberg wirkt das Siebengebirge fast wie unberührte Natur. Schmale Wege führen durch tiefe Täler, und überall stehen alte Bäume mit riesigen Stämmen. Wenn man genau hinsieht, sieht man unten kleine Löcher im Stamm, und vielleicht, wenn man ganz genau hinsieht, auch kleine, knubbelige Wesen, die dort hinaus- und hineinhuschen - die Erd- drachen.

Ich weiß nicht sicher, seit wann es die Erddrachen gibt. Der Sage nach sind sie ein Geschenk des Mondes an eine kleine Waldfee. Damals, so heißt es, habe ein frommer Mönch die Geister aus dem Siebengebirge vertrieben. Sei es, dass er mit seinen Bannsprüchen Erfolg hatte, sei es, dass die Geister einfach fortzogen, weil sie nicht mehr willkommen waren .. es wurde still in den Tälern und Höhen des Siebengebirges.

Nur Ragnan, ein kleine Waldfee, war noch da. Sie hatte sich all die Zeit in einem hohlen Baumstamm versteckt, und sie wollte auch nicht fort. Ein paar Tage lang tröstete sie die vertraute Umgebung, doch dann vermisste sie ihre Freunde und machte sich auf die Suche .. doch wohin sie auch kam, es war niemand da. Traurig hockte sie sich auf einem Baumstumpf und weinte bitterlich. Das rührte selbst den Mond. "Schau mal", sagte er zu ihr, "ich habe so viele Sterne um mich herum, die mir Freude machen, ich möchte Dir ein paar davon schenken. Fange sie auf und verteile sie über den schönen Tannen- und Kiefernzapfen um Dich herum, dann werden sie auch Dir Freude machen!" Dankbar schaute Ragnan hoch, fing die Sterne auf und ließ sie dann vorsichtig auf die Zapfen gleiten .. und sobald ein Stern einen Zapfen berührte, verwandelte sich der Zapfen in ein kleines, knubbeliges Wesen - einen Erd- drachen! Aus den Tannenzapfen wurden die Männchen, aus den Kiefernzapfen die Weibchen.

Nach wenigen Augenblicken war Ragnan umringt von einer Schar kleiner Drachen, die sie erwartungsvoll ansahen .. und von da ab war an Ruhe nicht mehr zu denken.

Ein neues Märchen aus eigener Feder