Neue Feinde: Franken und Alamannen

Römerzeit

Rheingrenze, um 200. Im Römischen Reich regiert die Dynastie der Severer (193-235), und auch die Bonner verehren das severische Kaiserhaus. Die Zeit der Severer bringt zunächst noch einmal Stabilisierung an den Grenzen.

Römische Bürger

Durch die Constitutio Antoniniana verleiht Kaiser Caracalla 212 allen Freien in den Provinzen das römische Bürgerrecht. Auch die Bonner sind jetzt römische Bürger.

Fremde Elbgermanen auf der rechten Rheinseite

Doch im Südwesten, den "Agri Decumates" zwischen Rhein und Donau, ist eine neue große Germanengruppe aufgetaucht, die Alemannen. Kaiser Caracalla entschließt sich 213 zu einem Präventivschlag und führt selbst seine Truppen an.

Auf der rechten Rheinseite jedoch braut sich Unheil für Rom zusammen. Jenseits der Grenze, im Barbaricum, sind fremde Elbgermanen zugezogen, die Rom feindlich gesinnt sind. Der Kaiser Caracalla selbst hatte 213 einen Präventivschlag seiner Truppen gegen die Alemannen angeführt.

Ein neuer Feind im Osten, Truppenabzug vom Rhein

Die neuen Herrscher in Persien, die Sassaniden (ab 226), sind ein noch gefährlicherer Feind als es die Parther waren. Kaiser Alexander Severus, der aus Syrien stammt, zieht mit seinem Heer in den Orient (230-233). Dafür werden auch Truppen vom Rhein abgezogen. Die Rheingrenze ist nichtgesichert und es kommt zu Raubzügen. Die Legio I Minervia besiegt 231 auf der Beueler Seite germanische Plünderer und errichtet auf dem Schlachtfeld einen Siegesaltar.

233/234 dringen die Alemannen über den Limes, brennen Kastelle nieder und fallen in Germania Superior und Raetien ein. Die Landgüter der Römer werden überfallen, die Menschen grausam gefoltert, erschlagen oder versklavt, die Gebäude geplündert und angezündet.

235 bricht Kaiser Severus Alexander den Feldzug gegen die Sassaniden ab und eilt an den Rhein nach Mainz. Als er den Feinden hohe Summen bietet, anstatt gegen sie zu kämpfen, werden seine Mutter und er von aufgebrachten Truppen um Maximinus Thrax ermordet. Der wird zum Kaiser ausgerufen, auch die Legio I Minervia unterstützt ihn.

Kriege an mehreren Fronten

Die Zeit der "Soldatenkaiser" ist eine Zeit der Krise. Im Inneren lässt der ständige, oft gewaltsam herbeigeführte Wechsel auf dem Kaiserthron das Reich nicht zur Ruhe kommen; nach außen muss es sich an mehreren Fronten gegen neue, mächtige Feinde verteidigen: die Sassaniden im Osten, die Goten an der Donau, die germanischen Großverbände an der Rheingrenze. Eine koordinierte Abwehr ist kaum mehr möglich.

Kaiser Maximinus Thrax (235-238) bricht mit seinen Legionen zu einem Vergeltungsfeldzug ins Innere Germaniens auf. Panzerreiter und Bogenschützen verstärken sein Heer. Die Bonner Legion I Minervia ist mit dabei. Auf dem Rückmarsch geraten die Römer am Harzhorn in Germanien in einen Hinterhalt der Germanen; dank ihrer überlegenen Ausrüstung und Waffentechnik siegen sie. Maximus Thrax führt seine ganze Regierungszeit durch Krieg und wird am Ende von Soldaten ermordet.

Auch in Germania Inferior kommt es zunehmend zu Überfällen rechtsrheinischer Germanen. Noch kann die Armee die römischen Landgüter und Höfe gut verteidigen, doch die Überfälle werden immer mehr und erfolgen in immer kürzeren Abständen. Oft genug kommen die römischen Truppen zu spät. Das ruft andere Kriegsherrn auf den Plan, und sie finden immer mehr Gefolgsleute. In den 240er Jahren bricht die Verteidigungslinie entlang des Niederrheins in Holland zeitweise zusammen.

Überfälle der Franken und Alamannen

Um 250 berichten römischen Quellen von Raubzügen der Franken in die Provinz Gallien. Die Franken sind ein junger Großverband, in dem verschiedene Germanenstämme entlang der Rheingrenze, die wir aus Caesars "Gallischem Krieg" kennen, aufgegangen waren: die Usipeter, Tenkterer, Sugambrer, Brukturer u.a. Immer wieder brechen Franken und Alamannen zu großangelegten Raubzügen auf und dringen immer tiefer in das Dekumatland, nach Raetien und Gallien ein. Die Landgüter der Römer werden überfallen, die Menschen erschlagen oder versklavt, das Landgut geplündert und angezündet. Viele Menschen vergraben ihren Besitz (Hortfunde).

Immer öfter kommen die römischen Truppen zu spät; dafür finden die fränkischen und alamannischen Kriegsherrn immer mehr Gefolgsleute. Für die römisch-germanischen Provinzen an Rhein und Donau sind diese Raubzüge verheerend. Das sieht man gut im Hinterland von Köln: Während die Stadt, gut geschützt durch ihre dicke Steinmauer, floriert, ziehen immer mehr Menschen aus dem Umland fort, bald sind ganze Dörfer verlassen. Als die Römer wieder einmal Truppen vom Rhein abziehen mussten, um im Osten gegen die Sassaniden zu kämpfen, war die Rheingrenze kaum geschützt.

256-258 fallen die Franken in die Provinz Germania Inferior ein. Mehrere Legionslager am Rhein werden zerstört, Trier wird erobert und nur Köln mit seiner steinernen Stadtmauer übersteht den Überfall. Kaiser Gallienus (253-268) erobert Trier zurück und verteidigt Gallia Belgica und Germania Superior; sein Statthalter in Germania Inferior, Postumus, kann die Franken entscheidend schlagen.

260 ist ein Katastrophenjahr für Rom. Als die Nachricht von der verheerenden Niederlage und der Gefangennahme Kaiser Valerians nach Rom kommt, bricht ein Bürgerkrieg aus. Wieder werden Truppen vom Rhein abgezogen, und sogleich überrennen Alemannen und Franken den Limes und dringen tief ins Römische Reich vor. Mit knapper Not kann Kaiser Gallienus sie bei Mailand schlagen; aber die Folgen für Germania Superior sind verheerend.

Imperium Galliarum / Gallisches Sonderreich (260-274)

An der Rheingrenze kann der Feldherr Postumus die Franken besiegen. Nach einem Streit mit dem Sohn des Kaisers um die Beute erheben seine Truppen ihn zum Kaiser. Die drei gallischen und die beiden germanischen Provinzen, zeitweise auch Spanien und Britannien sagten sich von Rom los. Postumus' Hauptstadt wird C.C.A.A./Köln. Auch die Bonner Legion I Minervia unterstützt ihn.

Es ist es eine gute Zeit für Gallien und das Rheinland, nicht aber für Kaiser Aurelian (270-275) in Rom, der nach dem Verlust des Nahen Ostens und Ägyptens an den syrischen Stadtstaat Palmyra und des Westteils an das Gallische Sonderreich zunächst nur noch über ein Restreich regierte. Alemannen, Juthungen und Goten hat er besiegt und ein Jahr später auch Palmyra für Rom zurückerobert. In der Schlacht bei Châlons-sur-Marne 274 macht er dem Gallischen Sonderreich ein Ende. Doch unzählige Soldaten kommen dabei um und so bleibt kaum jemand, der die Grenze verteidigen kann.

Der Limes wird aufgegeben

Wenig später überrennen fränkische und alemannische Warlords das Land, sie morden, plündern und legen weite Regionen in Schutt und Asche. Auch Köln wird geplündert. Das Legionslager der I Minervia in Bonn hält stand. Brandschatzende Franken suchen nicht nur Bonn, sondern auch sein Umland hei. Überall gehen Höfe in Flammen auf. In Bonn werden die Wohngebiete in Schutt und Asche gelegt; die verbliebene Zivilbevölkerung zieht ins Lager. Nach 275 ist das Hinterland von Köln menschenleer. Das Flottenkastell Köln-Alteburg wird bei Angriffen der Franken 276 zerstört.

Drei Jahre herrschte Anarchie, dann 278 kann Kaiser Probus die Alemannen und Franken besiegen. Nun trifft er eine weitreichende Entscheidung: Die Grenze des Römischen Reiches wird an den Rhein und die Donau zurückgenommen, der Limes und das Dekumatland werden aufgegeben. Zugleich macht er die besiegten Franken und Alemannen zu Föderaten Roms, d.h. zu Verbündeten, die auf römischen Gebiet oder unmittelbar an der Grenze siedeln dürfen, loyal zum Reich stehen und es gegen Eindringlinge verteidigen. Bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts herrscht Frieden.