Kloster Heisterbach

  • Chorruine Heisterbach, Siebengebirge
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Chorruine Heisterbach, Siebengebirge Chorruine Heisterbach, Siebengebirge Kloster Heisterbach, Siebengebirge Kloster Heisterbach, Siebengebirge Kloster Heisterbach, Siebengebirge

Wenn Sie von Oberdollendorf in Richtung Heisterbacherrott fahren, sehen Sie schon von weitem auf der rechten Seite das barocke Portal aus dem 18. Jahrhundert; kurz darauf die berühmte Chorruine von Heisterbach. Sie ist alles, was uns von der ehemaligen Abteikirche geblieben ist. Dabei war sie eine der größten in der Region, nur der Kölner Dom war größer und höher. Vom hohen Mittelalter bis in die Zeit Napoleons war das Kloster Heisterbach religiöser Mittelpunkt der Region - und zugleich größter Grundbesitzer, das schloss sich damals nicht aus. Heute steht Kloster Heisterbach im Mittelpunkt des Projektes Klosterlandschaft Heisterbach der Regionale 2010, des Strukturprogramms des Landes Nordrhein-Westfalen.

Gründung und Blütezeit

Auf Bitten des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg (1167-1190) waren am 22. März 1189 zwölf Mönche des Zisterzienserklosters Himmerod unter ihrem Abt Hermann (1189-1196) auf den Petersberg gezogen. Doch schon 1193 zogen sie hinab ins Heisterbacher Tal. Unter dem zweiten Abt Gevard 1196-1209) und dem dritten Abt Heinrich I. (1208-1240) entstand in den Jahren von 1203 bis 1237 die Abteikirche - nicht nur einer der größten der Region, sondern auch ein bedeutendes Beispiel der Spätromanik in Deutschland. Das ist erstaunlich in einer Zeit, die von zwei Kriegen um den Thron heimgesucht wurde. Heute haben wir nur noch die Ruine des Chors und Zeichnungen, wie sie damals ausgesehen haben mag. Wir sehen, dass der mittelalterliche Architekt die neuen, aus Frankreich stammenden gotischen Formen kannte und sie mit den bekannten romanischen und dem Ideal der Zisterzienser nach Einfachheit in Einklang bringen wollte.

Heisterbach war ein Zisterzienserkloster, und nach ihrem Ideal wollten die Mönche in Abgeschiedenheit nach der Benediktinerregel "ora et labora" (bete und arbeite) leben und ihre Klöster in Eigenwirtschaft betreiben. Seit Bernhard von Clairveaux waren die Zisterzienser eine Größe in der europäischen Politik. Abt Heinrich I. stand in Kontakt mit Kaiser Friedrich II., König Heinrich (VII.) und dem Papst. Der Kölner Erzbischof Engelbert I. von Berg (EB 1215 -1225) war dem Kloster eng verbunden. Als er 1225 ermordet wurde, zog Abt Heinrich I. mit dem Leichenzug zum Hoftag nach Frankfurt und erhob Anklage gegen die Mörder. Auch ein Hospital wurde aufgebaut. 1254 stiftete die Mechthild von Sayn, die Witwe Heinrichs III. von Sayn, zusätzlich 13 neue Pflegestellen für Arme.

Cäsarius von Heisterbach

Vieles von dem, was wir heute über die Zeit von 1180 bis 1240 wissen, verdanken wir dem bekanntesten Mönch aus Heisterbach, Caesarius, der von 1199 bis 1240 im Kloster Heisterbach lebte. Zunächst war er Novizenmeister und verfasste Lehrschriften, die immer wieder abgeschrieben und in vielen Klöstern genutzt wurden. In seinem bekanntesten Werk, dem "Dialogus miraculorum" (1219/23), beschrieb er in Wundererzählungen den Alltag des Klosterlebens. Die Mönche seiner Zeit beteten, bauten ihre Abteikirche und bewirt-schafteten ihr Land. Schon bald hatten sie mehr, als sie für sich brauchten, und konnten in Zeiten der Not die Armen versorgen. Caesarius berichtet von einer großen Hungersnot im Jahr 1198, als 1.500 Menschen an der Klosterpforte geholfen wurde. "Die Hand der Armen sei Gottes Opferkasten", sagte er.

Caesarius schrieb auch über die politischen Ereignisse seiner Zeit, sorgfältig und wahrheits-liebend, und ist deshalb ist er noch heute einer unserer wichtigsten Zeitzeugen über die Jahre 1180-1240. So berichtet er Caesarius über den Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV., seine verheerenden Folgen für das Rheinland und die verhängnisvolle Rolle des Kölner Erzbischofs Adolf II. von Altena. Nach der Ermordung Erzbischof Engel-berts I. von Berg 1225 schrieb er im Auftrag des Nachfolgers Heinrich von Müllenarck eine Lebens-geschichte des Engelberts. 1237 verfasst er eine Lebensgeschichte der Elisabeth von Thüringen.

Die späteren Jahre

Der Bau der Abteikirche und der Unterhalt des Klosterbetriebs verschlangen hohe Summen, die die Mönche konnten sie nicht selbst erwirtschaften. Dafür wurden die Kapelle auf dem Petersberg und die Abteikirche in Heisterbach Wallfahrtsorte: Hier wurden Ablässe gewährt, d.h. für Bittgänge an genau festgelegten Tagen, für Stiftungen u.ä. wurden Sünden vergeben. Päpstliche Verkündi-gungen von 1312 und 1319 bestätigten dies. Jahr-hundertelang zogen an Pilger an kirchlichen Feiertagen hinauf zum Petersberg und zum Kloster Heisterbach. Dennoch war die Abtei verschuldet; schwere Kirchenstrafen wurden verhängt und Äbte abgesetzt. Personalmangel kam hinzu, man musste Knechte einstellen oder die Güter verpachten. 1469 wurde sogar der Abt von Heisterbach verdächtigt, unerlaubten Handel mit Reliquien zu betreiben.

Säkularisation und Abbruch


Das Kloster Heisterbach gehörte zum Erzbistum Köln bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803, als Napoleon die politische Karte Deutschlands neu ordnete und dazu die geistlichen Fürsten enteignet wurden (Säkularisation). Noch im gleichen Jahr, am 12.09.1803, hob die bergische Regierung das Kloster Heisterbach auf und bot die Kirche zum Verkauf an. 1809 erwarb sie der französische Unternehmer Piautaz, der hier Steine für den Bau des Nordkanals zwischen Venlo und Neuss brach. Auch die Festung Ehrenbreitstein wurde mit Steinen von Heisterbach gebaut. 1818 verbot der preußische Oberpräsident den weiteren Abbruch.

So haben wir heute nur noch die Chorruine. Denkt man ans Siebengebirge, so gehört sie einfach hinzu. Und doch macht sie betroffen. Sie ist eben ein "Zeugnis der Barbarei", wie es Hermann Josef Roth in seinem Beitrag "Burgen- und Klosterlandschaft" in "Das Siebengebirge, Natur, Landschaft, Kultur", schreibt. Aber: "Wallfahrtsorte sind Schnittpunkte menschlicher Hoffnung, die nie aufhört, auch dann nicht, wenn der Mensch nicht mehr ein noch aus zu wissen scheint, Gnadenorte in gnadenloser Zeit", soll Konrad Adenauer einmal geäußert haben. Recht hat .. ein Besuch in Heisterbach ist immer etwas Besonderes.