Die Jungfrau von der Rosenau

Die Jungfrau von der Rosenau

Die Grafen von Rosenau gehörten dem niederen Adel an und es war kein Geheimnis, dass sie hoch verschuldet waren. Der amtierende Herr von der Rosenau, ein Rüpel und Raufbold, wollte das Problem durch eine gute Heirat lösen. Er warb um die Hand von Roshain, die einen reichen Schatz erben würde.

Als sie nichts von ihm wissen wollte, entführte er sie auf die Rosenau. Wenn die Ehe einmal geschlossen wäre, würde der Schatz dem Rosenauer Grafen zustehen, und so setzte er alles dran, Roshain zur Ehe zu zwingen. Er schikanierte sie wo er konnte, ließ sie hungern und schäbige Kleidung tragen. Eines Morgens im Winter drückte er ihr einen Besen in die Hand und schickte sie in einem dünnen Gewand hinaus, um den Unrat fort zu kehren. Doch es half ihm alles nichts, Roshain ließ sich nicht einschüchtern. Da verlor der Rosenauer Graf die Beherrschung und schrie sie an: "Verrotten sollst Du unter der Erde!"

Ein eisiger Windhauch fegte über die Burg, schlagartig wurde es dunkel und still. Ein dumpfes Grollen drang aus der Erde, dann riss sie direkt unter Roshains Füßen auseinander und verschlang sie. "Flieg' doch auf Deinem Besen hinaus!" rief ihr der Rosenauer Graf noch höhnisch hinterher.

Irgendwo unter der Erde. Roshain war umgeben von Dunkelheit. Sie tastete sich durch die Finsternis, und stieß immer wieder auf Felsen. Sie war wohl in einer Höhle unterhalb der Burg, aber es gab nirgends einen Weg hinaus. Verzweifelt sank sie zu Boden und weinte bitterlich. Auf einmal knisterte und funkelte etwas an der Wand. Geblendet schloss Roshain die Augen. Als sie sie wieder öffnete, sah sie eine Fee dort stehen, die sie entschlossen ansah und sprach: "Weißt Du, Roshain, das kann er haben. Du wirst auf diesem Besen hier hinaus fliegen, und noch mehr, viel mehr .."

Die Fee hob Roshains Besen auf, sprach einen Zauberspruch und drückte ihn ihr in die Hand. "Hab' keine Angst", sagte sie, "Du kannst es. Flieg' auf deinem Besen hinaus und dann eine Runde um die Burg, und Du wirst sehen .. kein Graf von der Rosenau wird hier mehr Frieden finden!" Noch immer zweifelnd folgte Roshain der Fee. Es war, als wenn sie durch einen Haufen Sterne fliegen würde, dann spürte sie die klare Abendluft. Zunächst war ihr schwindlig, wie sie auf dem Besen durch die Luft flog und hinab schaute, doch schnell wurde sie sicherer und flog auf ihrem Besen durch die Nacht..

Unten stand der Graf lachend und grölend mit einigen Saufkumpanen zusammen. Plötzlich hörte er ein leises Zischen über sich, er schaute nach oben .. und erbleichte. Die verwunschene Jungfrau von der Rosenau war nicht unter der Erde verrottet, sondern flog auf ihrem Besen durch die Luft hoch über seinem Kopf! Er zitterte am ganzen Körper. Roshain landete ihren Besen direkt vor ihm und sah ihm in die Augen: "Wollt Ihr mich immer noch heiraten?", fragte sie ruhig. Der Graf zitterte mehr vor Angst als vor Wut und brachte keinen Ton hervor. Roshain nahm ihren Besen, als wenn sie den Boden vor dem Grafen fegen wolle .. da wurde der Graf von einer mächtigen Windbö gepackt und fortgerissen, tief in den Wald hinein.

Später fanden ihn barmherzige Mönche auf dem Boden einer Schlucht, er war fast zu Tode gestürzt. Sie nahmen ihn mit und brachten ihn wieder einigermaßen auf die Beine, aber er traute sie nie mehr aus seiner Klosterzelle heraus.

"Das ist nur der Beginn, Roshain" sagte die Fee, "Dein Besen hat nun Zauberkräfte. Du kannst mit Deinem Besen verborgene Dinge oder Heilpflanzen unter dem Schnee hervor kehren, oder Schurken damit hinweg fegen. Aber sieh Dich vor. Du lebst in einer Zeit, in der die Menschen wenig über die Welt außerhalb ihres Alltags wissen und dem, was sie nicht kennen, eher mit Misstrauen begegnen, darum bleibe lieber unerkannt." So trug Roshain trug ihre grobe Kleidung und schmierte sich Unrat ins Gesicht, wenn sie nachts auf ihren Besen stieg und half, wo sie konnte. So erfüllte sich die Prophezeiung. Auch die nächsten Grafen von der Rosenau wurden nicht glücklich. Als der letzte Graf von der Rosenau starb, verkaufte seine Familie die Burg sofort.

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