Die ersten Dörfer im Siebengebirge - Merowinger und Karolinger

Frühmittelalter

Rheinland, zu Beginn der Frankenzeit. Unsere Region liegt an der Ostgrenze des Frankenreiches; Westfalen gehört schon zu Sachsen.

Schon in den letzten Jahrzehnten des Weströmischen Reichs herrschen die Franken auf beiden Seiten des Rheins. Die salischen Franken leben um Tournai, Cambrai und Arras, Städte im heutigen Belgien und Nordfrankreich. Hier treffen wir die erste fränkische Herrscherdynastie, die Merowinger. Der erste bekannte Merowingerkönig Childerich I. ist ein hoher Offizier in der römischen Armee.

Chlodwig (482-511)

Unter Childerichs Sohn Chlodwig, den man durchaus als Gewaltherrscher bezeichnen kann, wird das Frankenreich zur europäischen Großmacht. Er besiegt die Burgunder und Westgoten. Seine Herrschaft steht am Übergang von der Spätantike zum Mittelalter; in seinem Reich verbinden sich römische Staatsauffassung, katholisches Christentum und germanisches Heerkönigtum. Chlodwig lässt sich 496 taufen und nimmt das katholische Bekenntnis an. Eine unserer wichtigsten Quellen ist die "Historia Francorums" Gregors von Tours.

Ihm zufolge hat Chlodwig den Christengott beschworen, ihm in der fast schon verlorenen Schlacht bei Zülpich 496 den Sieg über die Alemannen zu schenken. Doch seine Entscheidung ist vor allem ein kluger politischer Schachzug, denn er hat sich für die Religion seiner gallo-römischen Bevölkerung entschieden und kann sich bei der Verwaltung des Reiches auf sie stützen. Er selbst lebt das Christentum nicht, er bleibt ein germanischer Heerkönig.

Dörfer im Siebengebirge

Im Frühmittelalter entstehen viele Dörfer rund um das Siebengebirge, deren Namen viel erzählen. So enden die Namen der ältesten Dörfer auf "-heim" oder "-dorf", neuere Gründungen auf "-hofen" und "-inghoven". Endungen wie "-rott" oder "-roth" finden sich bei Dörfern im Bergbereich, die erst nach Rodung der Wälder entstanden. Dorfnamen auf "-berg" weisen ebenfalls auf Dörfer im Bergbereich hin. Dorfnamen auf "-bach" bezeichnen ein Dorf, das an einem Bach gebaut wurde. Auch der Name von Bächen findet sich in Ortsnamen wieder, z.B. der Pleisbach im Namen "Oberpleis". Auch das Pleistal, das Gebiet des heutigen Oberpleis, ist bereits in merowingischer Zeit besiedelt. Um 700 entsteht in Oberpleis der Fronhof, heute Propsteihof.

Der Grabstein von Niederdollendorf

Als eine der ersten Siedlungen um das Siebengebirge entsteht in merowingischer Zeit Niederdollendorf, dort wurde eine fränkische Grabstele aus dem 7. Jahrhundert gefunden. Sie ist im Rheinischen Landesmuseum in Bonn ausgestellt. Man sieht, wie sich heidnische und christliche Glaubensvorstellungen vermischen. Auch das Totschlagen von Geistlichen bleibt an der Tagesordnung.

Chlodwigs Söhne (511-613)

Nach fränkischem Recht hat Chlodwig das Reich unter seinen vier Söhnen geteilt. Bereits in dieser Generation beginnt ein moralischer Niedergang im Merowinger-Reich, der heute noch erschüttert - auch wenn man bedenkt, dass nach damaligen Recht die Blutrache gestattet, ja sogar verlangt wurde. Nach dem Tod seiner Brüder kann Chlothar I. (558-61) von Paris aus allein herrschen. Doch sowohl der gallische als auch der fränkische Adel haben ein ausgeprägtes Herrengefühl entwickelt; man empfindet den König als "Ersten unter Gleichen", aber nicht mehr.

Auch mit der Bildung geht es immer weiter bergab: Im 6. Jahrhundert verschwinden allmählich die öffentlichen Schulen, im 7. Jahrhundert ist von Bildung und Kultur nichts mehr zu spüren.

Die Generation der Enkel Chlodwigs

Nach dem Tod Chlothars I. wird das Reich unter seinen Söhnen in drei Teile geteilt: Neustrien (heutiges Westfrankreich, Hauptstädte Paris und Soisson), Austrasien (Gebiete an Rhein, Maas und Mosel, Champagne, Hauptstädte Reims und Metz) und - bis 613 - Burgund (Loire- und Rhone-Becken, Hauptstadt Orléans).

Austrasien fällt an Sigibert I, der seine Residenz in Köln hat. Er gerät in eine merowingische Familientragödie um seine Ehefrau Brunichild, eine westgotischen Prinzessin, seinen Bruder Chilperich I., Herrscher in Neustrien, und dessen Ehefrau Fredegunde. Es kommt zu einem jahrzehntelangem, erbitterten Krieg.

Schließlich setzt sich Chlothar II. (613-29) durch, der Sohn Fredegundes und Chilperichs. Unter ihm wird das Reich noch einmal vereint, doch er muss den fränkischen Großen weitreichende Zugeständnisse machen. Besonders in Bayern, Alemannien und Aquitanien herrschen die Herzöge weitgehend unabhängig. Burgund geht verloren. Austrasien und Neustrien erhalten Verwaltungsautonomie.

Der Aufstieg der Karolinger

An die Spitze der königlichen Verwaltung stehen die Hausmeier aus dem Geschlecht der Karolinger, so benannt nach ihren bekanntesten Vertretern. Durch den Verfall der Merowinger gerät auch die politische Macht immer mehr in ihre Hände. Clothar II. und sein Sohn Dagobert I. "der Gute" (629-639) gelten als die letzten bedeutenden Merowinger-Könige, doch schon zu ihrer Zeit sind die Hausmeier eine feste Größe im Reich und regieren nahezu selbständig. Dagobert I. fördert den Bau von Klöstern und Kirchen.

656 wagt Hausmeier Grimoald I. einen Staatsstreich: Seine Handlager entführen den Thronerben Dagobert II., schneiden ihm die langen Haare, Zeichen der Königswürde, ab und verbannen ihn. Dagobert soll als Mönch sein Leben in einem Kloster in Irland verbringen. Später kommt er nach England, wo er am Königshof erzogen wird. Derweil setzt Grimoald I. seinen eigenen Sohn auf den Thron Austrasiens. Grimoald wird in einen Hinterhalt gelockt und schließlich 662 hingerichtet.

Der eigentliche Machthaber im Frankenreich ist der neustrische Hausmeier Ebroin. Nach Jahren voller Wirren wird - gegen seinen erbitterten Widerstand - Dagobert II. 673 nach Austrasien zurückgerufen. Es heißt, er habe die Ausübung der Herrschaft seinem Hausmeier Pippin dem Mittleren überlassen, um sich ganz auf seine frommen Übungen und wohltätigen Werken zu konzentrieren, darunter verschiedene Kirchenbauten und Klostergründungen; aber auch, dass er als König Übergriffen der Kirche und des Adels entgegentrat. Als wieder Kämpfe zwischen Austrasien und Neustrien ausbrechen, wird er von Ebroin heimtückisch auf der Jagd ermordet.

Gerade um Dagobert II. ranken sich viele Legenden. Mit ihm stirbt die Hauptlinie der merowingischen König aus. Knapp zweihundert Jahre später, am 10. September 872, wird er heilig gesprochen.

Für eine Weile bleibt der Thron unbesetzt. In Austrasien herrscht Pippin der Mittlere (679-714), und er als 687 in der Schlacht von Tertry den Hausmeier Neustriens besiegen kann, ist er der starke Mann im ganzen Frankenreich.

Karl Martell (714-41)

Als es mit Pippin dem Mittleren zu Ende geht, schickt er nach seinem Sohn und Thronfolger, doch der wird auf dem Weg zu seinem Vater ermordet. Die männlichen Nachkommen der Familie sind minderjährig - bis auf Karl Martell, den unehelichen Sohn. Prompt lässt Pippins Witwe ihn einsperren. Doch Karl entkommt und setzt sich durch. Über zwanzig Jahre regierte Karl Martell fast als König. In der berühmten Schlacht von Tours und Poitiers 732 siegte er über die Araber.

Die Irisch-Schottischen Missionare

Irische und angelsächsische Mönche missionieren im Frankenreich. Zunächst kommt der Ire Columban, der die Klöster in Luxeuil und Annegray im heutigen Frankreich und Bobbio im heutigen Italien gründet. Zum "Apostel der Deutschen" wird dann der Brite Bonifatius, der 722 seine Mission beginnt. Er ordnet die verfallene Kirche unter der Oberhoheit des Papstes.

Karl der Große

Pippin der Jüngere (751-68) macht dann Schluss mit dem merowingischen Schattenkönigtum: 751 lässt er sich mit Einverständnis des Papstes zum König krönen. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, denn die "Pippinsche Schenkung" von 754 begründet den Vatikanstaat.

Unter seinem Sohn Karl dem Großen (768-814) wird das Frankenreich zur europäischen Großmacht. Getrieben von einem großen Machtwillen und mit oft gnadenloser Härte geht Karl an die Neuordnung der Verhältnisse in seinem Sinne, im Frankenreich wie auch gegen die Sachsen (Sachsenkriege 772-804), die Langobarden (Langobarden-Feldzug 773/74) und die Mauren (Spanienfeldzug 778).

Mit teilweise tiefgreifenden Reformen ordnet Karl das Frankenreich neu. Er schafft die Stammesherzogtümer ab, wahrt aber die rechtliche Eigenständigkeit der Stämme und ordnet die Aufzeichnung der Stammesrechte an. Die alte Einteilung in Gaue bleibt, sie werden nun in Grafschaften zusammengefasst. An ihrer Spitze steht ein Graf, der von Karl frei eingesetzt, versetzt und auch abgesetzt wird. Im ganzen Land gründet Karl Pfalzen, große Güter/Getreidesammelhöfe in königlichem Besitz, die ihm sichere Einnahmen verschaffen und auch als Wohnort dienten. Der König zieht im Reich umher, von Pfalz zu Pfalz, eine feste Hauptstadt gibt es nicht.

Am Weihnachtstag 800 wird Karl in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt. Nun ist er, in der Tradition der christlichen römischen Kaiser, der Schutzherr Roms und der Kirche; sein fränkisches Reich ist das Nachfolgereich des römischen Kaiserreiches. Beide Kulturen, die christlich-römische und die fränkische, sollen es tragen.

Karolingische Renaissance

Karl der Große kümmert sich um die Bildung, die seit langem darnieder liegt. Die Geistlichen, zu seiner Zeit Hauptträger der Bildung, ermahnt er immer wieder, Latein und Griechisch zu lernen und die Wissenschaften zu studieren. Er selbst holt Gelehrte an seinen Hof in Aachen; die Hofschule entsteht, der wir herrliche Buchmalereien verdanken. Zugleich wird am Hof fränkisch gesprochen, und auch in den Kirchen wird in der Sprache der Menschen gepredigt.

Die Reichsteilungen

Auf Karl den Großen folgt sein Sohn Ludwig der Fromme (814-40). Er kann die Einheit des Frankenreichs zunächst noch wahren. Doch königlicher Besitz gerät immer mehr aus den Händen des Herrscherhauses, dafür gewinnen Kirche und Adel an Macht, schließlich vererben sie ihr Amt und verfügen frei über ehemals königlichen Besitz.

Nachfolger Ludwig des Frommen wird sein ältester Sohn Lothar I. Doch seine jüngeren Brüder, Ludwig der Deutsche (843-876) und Karl der Kahle (843-877), verbünden sich und ziehen gegen ihn zu Felde. In der Schlacht von Fontenoy unterliegt Lothar. Nun wird das Reich Karls des Großen unter seinen Enkeln geteilt. Im Vertrag von Verdun 843 bekommt Lothar Norditalien, die Provence, Burgund, Lothringen, Belgien und die Niederlande (fortan Mittelreich), Karl der Kahle die Reichsteile im heutigen Frankreich (Westreich), und Ludwig II. der Deutsche Bayern, Schwaben, Hessen, Thüringen, Sachsen und Teile Franken (Ostreich). Lothar I. behält die Kaiserwürde und die Kaiserstädte Aachen und Rom. Das Rheinland gehört zum Mittelreich Kaiser Lothars, Lotharingen. Das Siebengebirge gehörte zum Auelgau, der urkundlich ab 832 belegt ist. Oberpleis ab 859.

Doch das Mittelreich hat keinen Bestand und wird schon 870, im Vertrag von Meersen, unter Karl dem Kahlen und Ludwig II. dem Deutschen aufgeteilt. Die Grenze durch Lotharingen verlief am Rhein, die rechte Rheinseite gehörte zum Ostreich, die linke zum Westreich. Im Vertrag von Ribemont 880 kann der ostfränkische König Ludwig III. der Jüngere auch Westlothringen gewinnen.

Der ostfränkische König Karl III. der Dicke kann 881 das Fränkische Reich nochmals kurze Zeit vereinigen. Im selben Jahr wird es durch Raubzüge der Normannen heimgesucht, auch Köln wird verwüstet.

In eine Urkunde von 893 wird ein Ort namens "vintre" genannt. Dieser Name ist vom lateinischen Wort für Weinbau abgleitet; vermutlich wurde schon damals Wein im Siebengebirge angebaut. Auch anderen Dörfer sind in karolingischer Zeit belegt: 859 Pleisa, 895 Stieldorf, 922 Idubug, 925 Ruzindorf, 948 Quirrenbach und 966 Dullendorp.

Bild- und Quellennachweis

Das Bild der Grabstele von Niederdollendorf von Hans Weingartz, Leonce49 (Urheber) stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia; CC-BY-SA-3.0-DE und steht unter der Creative Commons Lizenz 3.0.
Das Bild Petersberg von Bad Godesberg stammt aus der Public Domain Section der Wikipedia.