NS-Diktatur II

NS-Diktatur

Deutschland, 1939-1945. Stärker als je ein Krieg zuvor trifft der Zweite Weltkrieg auch die Zivilbevölkerung; mehr als 70 Millionen Menschen werden getötet.

Hitler hat ihn von Anfang an gewollt; dabei geht es nicht nur um die Wiederherstellung des Deutschen Reiches von 1914 und Tilgung der "Schmach" des Versailler Vertrages, sondern um einen Eroberungs-, ja einen Vernichtungskrieg im Osten.

Der Krieg in Europa

Während des ersten Kriegsjahres hat Deutschland die Oberhand. In einem "Blitzkrieg" wird Polen besiegt und zwischen Hitler-Deutschland und der Sowjetunion Stalins aufgeteilt. Die Niederlande und Belgien werden übermannt, Dänemark und Norwegen besetzt. Im Juni 1940 kapituliert Frankreich. Nun plant Hitler die Invasion Englands. Doch die Luftschlacht um England geht verloren, Hitler muss seine Invasionspläne aufgeben.

Im Sommer 1941 befielt Hitler den Einmarsch in die Sowjetunion, und zu Anfang ist die Offensive erfolgreich.

Doch trotz aller Unterschiede der politischen Systeme bieten zuerst England und dann die USA der Sowjetunion Unterstützung an; die Allianz gegen Nazi-Deutschland steht. Zugleich nötigt Italiens "Parallelkrieg" das Deutsche Reich zum Eingreifen in Nordafrika.

Die Ausweitung zum Weltkrieg

Die USA unter Präsident Roosevelt waren bislang neutral geblieben. Doch je mehr eine Herrschaft Hitlers über Europa droht, desto mehr weichen sie von dieser Linie ab. Wer amerikanisches Kriegsmaterial kaufen und abtransportieren kann, bekommt es. Im März 1941 gibt der Kongress dem Präsidenten die Vollmacht, jedem Land, dessen Verteidigung er als lebenswichtig für den Schutz der USA erachtet, Verteidigungsmittel sogar zu leihen, zu verpachten oder zu tauschen. Auf dem Atlantik kommen amerikanische Schiffe britischen immer mehr zu Hilfe. Im September 1941 befielt Roosevelt, jedes deutsche U-Boot ohne Warnung zu versenken.

Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor erklären die USA und England Japan den Krieg. Darauf folgt die Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die USA.

Terror und Gewaltherrschaft (1942/43)

Die Wannsee-Konferenz in Berlin sanktioniert die "Endlösung der Judenfrage". Millionen Menschen, die meisten Juden, aber auch unzählige Zigeuner, Slawen und andere Rassen werden verhaftet, deportiert und in Konzentrationslagern in Osteuropa ermordet. Mehr als 70.000 alte und kranke Menschen werden umgebracht. Vor allem in den besetzen Gebieten im Osten werden weitere Konzentrationslager gebaut.

Innerhalb des Dritten Reichs herrschen Terror und Gewalt, unterstützt durch eine immer brutalere Blutjustiz. Legale Opposition oder offener Widerstand ist unmöglich, und die Einzelpersonen und Gruppen, die sich dem Nazi-Regime entgegenstellten, riskieren ihr Leben. Unter ihnen sind Sophie und Hans Scholl von der Weißen Rose; sie werden 1943 hingerichtet.

Die totale Niederlage Deutschlands

Die Alliierten fliegen Luftangriffe auf deutsche Großstädte; Köln wird in der "Nacht der 1000 Bomber" am 31. Mai 1942 fast völlig zerstört.  Der Winter 1942/43 bringt die Wende. Im Osten erleidet die deutsche Wehrmacht in Stalingrad eine verheerende Niederlage. Von nun ab wird der Krieg, den sie so grausam in den Osten getragen hat, unerbittlich erwidert. Die deutsche Lufthoheit geht verloren. Am 6. Juni 1944 landen alliierte Truppen in der Normandie. Bei absoluter Lufthoheit drängen die Alliierten die deutschen Verbände Schritt für Schritt zurück. Im Juli muss täglich mit einem Durchbruch gerechnet werden. Zugleich droht der Durchbruch der sowjetischen Armee im Osten.

Am 20. Juli 1944 misslingt das von Claus Graf Schenk von Stauffenberg und seinen Offizierskameraden geplante Attentat, der Staatsstreich scheitert. Noch am selben Tag werden Stauffenberg und andere Verschwörer hingerichtet.

Am 25. August 1944 zieht General de Gaulle mit seinen und amerikanischen Truppen in Paris ein. Im September erreichen die Alliierten die deutsche Grenze. Deutschland verliert die letzten Bundesgenossen, die Verteidigung ist längst sinnlos geworden. Doch Hitler treibt die Verteidigungsmaßnahmen aufs Äußerste.

Im Januar 1945 bricht die Rote Armee an der Ostfront durch und überrennt Ostpreußen. Unübersehbare Flüchtlingstrecks fliehen ins Innere Deutschlands. Im Februar wird Dresden bei amerikanischen und englischen Luftangriffen zerstört. Die Front im Westen bricht zusammen, im März stehen die Alliierten am Rhein. Die Amerikaner überschreiten die einzige intakt gebliebene Rheinbrücke bei Remagen. Nach erbitterten Gefechten, vor allem um die Löwenburg und den Ölberg, stehen sie im Siebengebirge.

Ende April befinden sich nur noch kleine Gebiete in den Händen der Wehrmacht; Berlin ist von der russischen und polnischen Armee eingenommen. Die Lage ist aussichtslos. Als die Russen in der Nähe der Reichskanzlei stehen, begeht Hitler am 30. April Selbstmord. Hitlers Nachfolger General Dönitz setzt den Kampf nur wenige Tage fort, damit möglichst viele deutsche Soldaten und Flüchtlinge den Russen entkommen können. Dann lässt er die bedingungslose Kapitulation vollziehen. Sie wird am 8. Mai 1945 unterzeichnet.

Potsdamer Konferenz

Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 findet im Schloss Cecilienhof in Potsdam die letzte der alliierten Kriegskonferenzen statt. Sie entscheidet über die Zukunft Deutschland: der nördliche Teil Ostpreußens mit Königsberg wird sowjetischer; ein großes Gebiet im Osten polnischer Verwaltung unterstellt. Das verbleibende Gebiet wird in vier Besatzungszonen eingeteilt: eine amerikanische, britische, sowjetische und eine französische. Deren Oberbefehlshaber bilden den "Alliierten Kontrollrat". Unsere Region gehört zur britischen Besatzungszone.

1945/1946, Deutschland

Die Städte sind zerbombt und auch viele Dörfer liegen in Schutt und Asche. Es gibt kaum etwas zu essen, kaum ein festes Dach über dem Kopf, kein fließendes Wasser, keinen Strom. Die Verkehrswege sind zerstört, das Post- und Fernmeldewesen nahezu lahmgelegt. Die Lazarette und Krankenhäuser sind vollkommen überlastet.

In einem Büchlein "Krieg und Währungsreform im Siebengebirge - ein Heisterbacherrotter berichtet" erinnert sich Heinz Klein an jene Jahre. Mit schlichten Worten und viel menschlicher Wärme erzählt er von auseinandergerissenen Familien, von Trauer und Not, und von der Hilfsbereitschaft, die wenigen festen Dächer über dem Kopf mit Notleidenden und Flüchtlingen zu teilen. Da ist Mitfreude, wenn ein Angehöriger wiederkommt, und Verständnis für die Freude der Zwangsarbeiter, die nun nachhause reisen können. Da ist zunächst der Hass und die Ablehnung allen Deutschen gegenüber, dann die Schulspeisung. Er erzählt von der Not und dem Hunger in den Jahren nach dem Krieg. Kartoffeln, ein wenig Obst und Kaffeebohnen sind wundervoll. Auch Kohle zum Heizen im bitterkalten Winter ist ein Vermögen, die Menschen passen stehende Güterzüge ab, um etwas Kohle mitzunehmen.

Josef Kardinal Frings

Erzbischof Josef Kardinal Frings (1887-1978) hat dies in seiner Silvester-Predigt 1946 nicht als Sünde bezeichnet: "Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten nicht erlangen kann".

Truman-Doktrin und Marshall-Plan

Der sowjetische Machtbereich dehnt sich weiter aus; nicht nur im späteren "Ostblock", auch in Griechenland und in der Türkei droht ein kommunistischer Umsturz. Beide Länder bitten die USA um Hilfe. Auch die Länder Westeuropas leiden Not, und dies nutzt die kommunistische Propaganda aus. In dieser Situation verkündet US-Präsident Truman 1947 eine Politik der Eindämmung: "Es muss .. der außenpolitische Grundsatz der Vereinigten Staaten werden, allen Völkern, deren Freiheit von militanten Minderheiten oder durch einen von außen geübten Druck bedroht wird, unseren Beistand zu leihen .. Unter einem solchen Beistand verstehe ich vor allem wirtschaftliche und finanzielle Hilfe zur Herstellung geordneter politischer Verhältnisse und zur Sicherung der Stabilität.

Auf Initiative seines Außenministers George C. Marshall beginnt 1947 das "European Recovery Program" oder einfach "Marschall-Plan": große Mengen Lebensmittel, Rohstoffe, Maschinen und auch Geld gehen an notleidende europäische Staaten, damit die Wirtschaft gesunden kann. Umgekehrt sollen die begünstigen Länder auch das Ihre tun; 18 freie Länder schließen sich zur "Organization for European Economic Corporation" zusammen. Daraus entsteht 1960 die heutige Organization for Economic Cooperation and Developement (OECD).

Bundesländer (1947)

Die Länder Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und der Stadtstaat Hamburg entstehen.

1948, Deutschland

Aufrüstung und Krieg hatten die deutsche Volkswirtschaft völlig aus dem Gleichgewicht gebracht; der Wert der Reichsmark war ins Bodenlose gesunken. Die "gültige Währung" sind amerikanische Zigaretten. Zudem haben die Alliierten Demontagen und Drosselung der Produktion angeordnet. In vielen Fabriken, nicht nur der Rüstungsindustrie, werden Maschinen abmontiert und ins Ausland gebracht. Andere Fabriken dürfen nicht wieder aufgebaut werden. Die deutsche Wirtschaft liegt tief danieder; die Lebensmittelimporte können nicht mehr bezahlt werden. Die Versorgung der Menschen ist völlig unzureichend.

"Trizonesien"

Schließlich schlagen die Amerikaner vor, die Besatzungszonen wirtschaftlich zu vereinigen und einen föderativen Staatsaufbau anzustreben. Zu Beginn des Jahres schließen Amerikaner und Briten ihre Besatzungszonen zur Bizone zusammen; durch den Anschluss der französischen Besatzungszone 1948 wird daraus die Trizone. Im Karneval singen die Jecken "Wir sind die Einwohner von Trizonesien".

Währungsreform

Chef der Wirtschaftsverwaltung in der Bizone ist Ludwig Erhard, unter ihm wird die Währungsreform durchgeführt. Die Währungsreform war Voraussetzung für das Gesunden der Wirtschaft und das spätere Wirtschaftswunder.

Auf den letzen Seiten des Büchleins erzählt Heinz Klein vom Tag der Währungsreform, dem 20. Juni 1948: "mit 40 DM, nunmehr fester Valuta, pro Kopf der Bevölkerung startet man in die neue Zeit. Das sollte sich schon am nächsten Tag in den Schaufenstern zeigen, wo es manches wieder zu kaufen gab, was bisher unerreichbar war. Damit hatte die Kriegsära ein endgültiges Ende zu einem hoffnungsvollen Neubeginn."

"An Iron Curtain has swept across the continent." Winston Churchill

Zugleich zeichnet sich das Scheitern des Alliierten Kontrollrats ab - zu groß sind die Differenzen zwischen den Westmächten USA, England und Frankreich auf der einen und der Sowjetunion auf der anderen Seite. Der von England, Frankreich und den USA besetzte Teil des Landes soll demokratisch regiert werden, die sowjetisch besetzte Zone soll kommunistisch werden. Als die Westmächte nach dem kommunistischen Umsturz in Prag Verhandlungen über die Zusammenschluss ihrer Zonen beginnen, verlässt die Sowjetunion den Kontrollrat. De facto ist damit die Teilung des Landes vollzogen.

Berlin-Blockade und Luftbrücke (1948/49)

Kurz darauf sperrt die Sowjetunion den Güterverkehr mit Berlin auf Straße, Scheine und Wasser. Britische und amerikanische Flugzeuge fliegen Lebensmittel und Kohle in die drei Westsektoren ein. Dank der "Rosinenbomber" und ihrer großartigen Disziplin überstehen die Menschen in Berlin den Winter 1948/49 trotz harter Entbehrungen, und die Blockade wird Anfang Mai 1949 wieder aufgehoben. Doch die Spaltung und der "Kalte Krieg" sind da. Am 7. Oktober 1949 tritt die längst beschlossene Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Kraft.

Bild- und Quellenachweis

Das folgende Bild stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der Creative Commons Lizenz 3.0. Sie wurden im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Bundesarchiv und Wikimedia Deutschland aus dem Bundesarchiv für Wikimedia Commons zur Verfügung gestellt: Kohlenklau 1946, Bundesarchiv, Bild 183-R70463 / CC-BY-SA.

Das Bild Hinweisschild Parlamentarischer Rat, © Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz / Hanns Hubmann, stammt von German History Docs.

Das Bild von Köln stammt aus der Public Domain Section der Wikipedia.