Rheinprovinz und Vormärz

Rheinprovinz

Rheinland, zu Beginn der "Preußenzeit". Die Jahre zwischen 1815 und 1848 nennt man auch Vormärz, bezogen auf die Märzrevolution 1848.

Die alte Ordnung (1815)

Auf dem Wiener Kongress 1814/1815 hatten die Staatsmänner Europas die "alte Ordnung" wiederhergestellt, wie sie vor der französischen Revolution und Napoleon gegolten hatte.

Das Deutschland jener Jahre ist ein loser Staatenbund, der "Deutschen Bund". Seine oberste Behörde ist der Bundestag in Frankfurt. In ihm sitzen nicht, wie heute, frei gewählte Volksvertreter, sondern Gesandte der Bundesstaaten; den Vorsitz hat Österreich. Kein Herrscher ist bereit, zugunsten einer Zentralregierung zurückzustecken. Die Monarchen sind zufrieden, doch viele Menschen sind tief enttäuscht.

Zwei unterschiedliche Landesteile unter einer Krone

"Jesses, Maria, Josef! Do hirohde mer in en ärm Famillich!" - so kommentiert der Kölner Bankier Schaaffhausen die Entscheidung des Wiener Kongresses, das Rheinland an den König von Preußen zu geben. Und doch bewilligt die "ärm Famillich" später 10.000 Taler für die Erhaltung des Drachenfelses.

In Kleve, das lange vor der Franzosenzeit zu Preußen gehört hatte, und in überwiegend protestantischen Gebieten überwiegt die Freude; bei den Katholiken im Erzbistum Köln die Skepsis. Auch wenn man nicht von einer grundsätzlichen Ablehnung oder gar Feindschaft sprechen kann, sind sich beide Seiten doch fremd. Viele gebildete Rheinländer, stolz auf ihre Jahrtausende alte Kultur, können mit dem ostelbischen Preußen und dem als typisch preußisch empfundenen Militär und Beamtentum wenig anfangen.

Auch König Friedrich Wilhelm III. ist zunächst wenig erbaut über seine neuen Gebiete am Rhein. Mit der Art der Rheinländer kann er wenig anfangen, sie sind ihm sogar suspekt: mehr als andere durch die Franzosenzeit geprägt, verteidigen sie die napoleonische Gesetzgebung als "Rheinisches Recht" gegen den preußischen Staat, der die Reformer zunehmend entmachtet oder gar entlässt. 1818 lenkt Friedrich Wilhelm III. schließlich ein. Im neuen Rheinpreußen wird das Allgemeine Preußische Landrecht nur in den rechtsrheinischen altpreußischen Gebieten wieder eingeführt; in den übrigen Gebiete wird das "Rheinische Recht" im Wesentlichen beibehalten.

Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. hat eine romantische Ader, er schwärmt für das Mittelalter und die Herrlichkeit der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Nach dem Sieg über Napoleon besucht er das Rheintal und kommt zweimal, 1815 und 1817, zum Drachenfels.

Verwaltungsaufbau (ab 1816)

Die preußische Regierung baut eine neue Verwaltung auf. Zuerst gibt es zwei Provinzen: Julich-Kleve Berg mit den Regierungsbezirken Düsseldorf, Köln und Kleve, Sitz des Oberpräsidenten ist Köln, und Niederrhein mit den Regierungsbezirken Aachen, Trier und Koblenz, welches auch Sitz des Oberpräsidenten ist. Am 20. April 1816 entsteht der Sieg-Kreis. 1822 werden die beiden Provinzen zur "Rheinprovinz" zusammengeschlossen. An der Spitze steht der Oberpräsident in Koblenz.

Für den Bau der Festung Ehrenbreitstein oberhalb von Koblenz werden erneut Steine von der ehemaligen Klosterkirche in Heisterbach gebrochen, bis der Oberpräsident 1818 den weiteren Abbruch verbietet.

Eine Chance auf Bildung

Damals konnten 3/4 der Menschen weder lesen noch schreiben. Hier verdankt unsere Region dem preußischen Staat viel: Nun bekommt jeder die Chance zu lernen, die Dorfschulmeister werden anerkannt und gut ausgebildet. Doch in vielen Bauern- und Arbeiterfamilien herrscht so große Not, dass die Kinder mitarbeiten müssen und nicht zur Schule gehen können.

1818 stiftet Friedrich Wilhelm III. die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn.

Burschenschaften

Für Österreichs Staatskanzler Fürst Metternich bedeuten Meinungsfreiheit, Presse- und Versammlungsfreiheit und das Streben nach nationaler Einigkeit Unruhe und Gefahr für die Sicherheit, und so unterdrückt er sie mit aller Gewalt.

Doch während der Franzosenzeit haben die Ideen von bürgerlichen Rechten und Freiheiten und nationaler Einheit in West- und Mitteleuropa feste Wurzeln geschlagen. Ausgehend von Jena, schließen sich viele Studenten in Burschenschaften zusammen. Sie tragen ein schwarz-rot-goldenes Band. Diese Farben, heute die der deutschen Flagge, waren während der Befreiungskriege die Farben des legendären Lützowschen Freicorps; nun stehen sie für die nationale und freiheitliche Bewegung in Deutschland. Im Oktober 1817 feiern Burschenschaftler auf der Wartburg den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, und unter dem Jubel der Zuhörer fordern die Redner "Ehre, Freiheit, Vaterland!"

Die "Nacht auf dem Drachenfels"

Ein Jahr später, in der Nacht des 18.10.1818, feiern Studenten der Bonner Universität, unter ihnen der junge Student Heinrich Heine, den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, oben am Landsturmdenkmal auf dem Drachenfels. Heine schreibt darüber ein Gedicht. Eine Nacht hat er auf dem Drachenfels verbracht, dem Nordsturm getrotzt .. und sich am Ende den Schnupfen und Husten geholt. Man möchte ihm für den Schuss Ironie danken, der die Rheinromantik, und Heine liebt seine Heimat, nicht kitschig werden lässt. Doch zugleich ist es ein politisches Gedicht, denn diese Feier war verboten. Die preußischen Behörden reagieren sofort und verbieten den Studenten jede Teilnahme an Burschenschaften oder anderen Verbindungen.

Karlsbader Beschlüsse (1819)

In Wien verfolgt Staatskanzler Metternich die Ereignisse mit wachsendem Argwohn. Als dann im August 1819 der Schriftsteller von Kotzebue, politisch reaktionär und ein Zuträger des Zaren, von einem radikalen Burschenschaftler ermordet wird, beruft er eine Ministerkonferenz ins tschechische Karlsbad ein. Ergebnis sind die Karlsbader Beschlüsse, die, in vier Gesetze gefasst, auf der Bundesversammlung des Deutschen Bundes vom 20. September 1819 bestätigt werden. Nun werden die Burschenschaften verboten, Professoren und Studenten vom Staat überwacht, Zeitungen und Bücher zensiert. Verdächtige Personen werden als Demagogen verfolgt; unter ihnen sind verdiente Männer wie der Freiherr von und zum Stein und General Gneisenau.

Das gesprochene Verfassungsversprechen

Während der Befreiungskriege hatte König Friedrich Wilhelm III. seinem Volk eine Verfassung versprochen. Zudem steht in Artikel 13 der Bundesakte des Deutschen Bundes, dass die Fürsten ihren Ländern eine Verfassung geben sollen. Doch inzwischen hat sich vieles geändert. Napoleon ist besiegt, der Wiener Kongress hat die alte Ordnung wiederhergestellt, die Heiligen Allianz bekräftigt sie - und so rückt König Friedrich Wilhelm III. von Preußen von seinem ohnehin nur halbherzigen Versprechen ab.

Dafür verfügt er 1823/1824 die Einrichtung von Landtagen in den preußischen Provinzen. Doch in ihnen sitzen überwiegend Adlige und Großgrundbesitzer - die erhoffte Partizipation der Bürger am politischen Geschehen ist das nicht. In Düsseldorf tritt am 29. Oktober 1826 der erste Rheinische Provinziallandtag zusammen. So vertraut "der Landtag in Düsseldorf" für uns klingt - in jener Zeit hat er keine gesetzgebende Funktion und auch sonst wenig Befugnisse. Er berät Gesetzesentwürfe, Petitionen und macht Vorschläge; die Entscheidungen aber treffen der König und die Regierung in Berlin.

Rheinromantik

In jenen Jahren entdeckt man den Charme des Rheintals mit seinen steilen Hängen, den Burgen und Weinbergen. Aus jener Zeit sind romantische Bilder überliefert, auf denen die Landschaft besonders wild und geheimnisvoll wirkt. Menschen aus den In- und Ausland bereisen das Rheinland und schwärmen davon. Unter ihnen ist 1816 der ebenso berühmte wie skandalumwittertete Lord Byron aus England; er widmet dem Drachenfels sogar das Gedicht "Der turmgekrönte Drachenfels".

In den 1820er Jahren sieht man die ersten Dampfschiffe auf dem Rhein; schon 1825 gibt es Linienverkehr von Köln nach Rotterdam und bis in die Schweiz. Um das Eis zu brechen, macht auch Friedrich Wilhelm III. im September 1825 eine Dampferfahrt auf dem Rhein.

Die Koblenzer haben dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. das arg beschädigte Schloss Stolzenfels geschenkt; in der Hoffnung, dass er Mittel und Wege findet, es wieder aufbauen zu lassen. In der Tat lässt König Friedrich Wilhelm III. es von Karl-Friedrich Schinkel neu gestalten. Diesem begnadeten Architekten und Maler verdanken wir nicht nur zahlreiche Gebäude des klassischen Berlins; er hat sich auch um kleine und große Gebäude und Denkmäler in ganz Preußen verdient gemacht, so auch um den Kölner Dom und eben Schloss Stolzenfels. Bald sind viele Burgen am Rhein in der Hand der Hohenzollernfamilie, u.a. Stahleck, Rheinfels, Rheinstein, der Rolandsbogen und die Godesburg. Der spätere Kaiser Wilhelm I. bekommt in Rolandseck sein Palais mit seinem eigenen Gleisanschluss gebaut.

Bald nach der ersten Eisenbahnlinie in Deutschland 1835 von Nürnberg nach Fürth entsteht auch im Rheinland eine Eisenbahnlinie nach der anderen: 1838 Düsseldorf - Erkrath, 1841 Köln-Aachen, 1844 Bonn-Köln, 1844/45 Köln-Bonn-Koblenz.

10.000 Taler für den Drachenfels

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sind die Steinbruchschäden am Drachenfels bedrohlich, 1826 stürzt ein Teil der Außenmauern der Burgruine ein. Zugleich haben Reparaturarbeiten am - damals noch unvollendeten - Kölner Dom begonnen. Da große Teile des Doms mit Trachyt vom Drachenfels gebaut worden waren, will die Dombauhütte ihn auch nun wieder haben.

Ein jahrelanger, erbitterter Rechtsstreit beginnt. Auf der einen Seite die Königswinterer Steinbrecher-gewerkschaft, auf der anderen viele Bürger und die preußischen Behörden. Die Zeitungen berichten über die wiedereröffneten Steinbrüche am Drachenfels. 8.000 Taler müssen zusammen kommen, um der Steinhauergewerkschaft die Bergkuppe abzukaufen, doch das ist nicht in Sicht. Immerhin weist die Regierung am 1. Dezember 1827 den zuständigen Landrat an, Maßnahmen zur Sicherung der Burgruine zu treffen. Dann bekommt der Drachenfels Hilfe von prominenter Stelle. Als Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. in einer Zeitung den Bericht über die Wiedereröffnung der Steinbrüche liest, handelt er sofort: Am 2. Dezember 1827 schreibt sein Hofmarschall dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz, dass dem Kronprinzen und der ganzen königlichen Familie sehr viel am Erhalt der Ruine liegt, und bittet um Unterrichtung über den Sachstand. Wenig später, am 8. Januar 1828, schreibt auch Prinz Friedrich von Preußen an den Oberpräsidenten.

Am 4. Mai 1828 werden die Steinbrüche auf dem Drachenfels auf Anweisung der Königlichen Regierung in Köln vorläufig geschlossen; Hauptargument ist die Gefährdung der Menschen und Gebiete unterhalb der Ruine. Dennoch werden weiter Steine gebrochen. Dann stürzt im Mai 1828 der Nordgiebel der einstigen Burgkapelle ab. Die Auseinandersetzungen werden immer heftiger, sie werden vor Behörden und Gerichten, aber auch in den Zeitungen ausgetragen. Die Steinhauer-Gewerkschaft sieht keine Gefährdung; am 12.9 1828 verklagt sie die Königliche Regierung auf Schadensersatz. Nun beginnt ein langer Rechtsstreit vor dem Landgericht Köln um Verfahrensfragen und die Zulässigkeit der Klage.

Schließlich kommt der Fall auf den Schreibtisch König Friedrich Wilhelms III. Am 23. Mai 1829 erlässt er eine Kabinettsorder: Der preußische Staat soll das Eigentum am Drachenfels mit seiner Ruine erwerben, dazu sollen Kaufverhandlungen mit der Steinhauer-Gewerkschaft geführt werden, wofür er 10.000 Taler bewilligt. Sollten die Verhandlungen zu keiner Einigung führen, würde das Enteignungsverfahren nach geltendem Recht eingeleitet. Tatsächlich scheitern die Verhandlungen, daraufhin ordnet der König am 3. Dezember 1830 die Durchführung des Enteignungsverfahrens an. Am 15. März 1831 erklärt das Landgericht Köln die preußische Regierung zur Eigentümerin der Bergkuppe des Drachenfelses. 1836 kauft die preußische Regierung den oberen Teil des Drachenfelses mit der Ruine, er kommt unter Denkmalschutz. 10.000 Taler hat der preußische Staat bezahlt.

Zollvereine

Das Deutschland jener Zeit besteht aus 39 einzelnen Staaten, dazu kommen die Großmächte Preußen und Österreich. Hinter jeder Staatsgrenze beginnt das Ausland; d.h. der Pass muss vorgelegt, Geld muss getauscht und Waren müssen verzollt werden. Die Kaufleute müssen sich zudem auf unterschiedliche Gewichte einstellen.

Das Königreich Preußen mit seinen weit auseinander liegenden Gebieten betreibt eine andere Wirtschaftspolitik; es fördert Wirtschaft und Handel und schafft schon 1818 die Zölle im Inneren ab. 1828 schließen sich Preußen und Hessen-Darmstadt zu einem Zollverein zusammen. Auch in Süddeutschland und Mitteldeutschland entstehen Zollvereine, doch zu einer Deutschland weiten Einigung finden sich die Fürsten nicht bereit. So sehr die Kleinstaaterei Wirtschaft und Handel auch erschwert; sie wollen ihre Herrschaft nicht geschmälert sehen. Erst 1834 finden sich die meisten deutschen Staaten zum Deutschen Zollverein unter Führung Preußens zusammen. Außen vor blieben vor allem Österreich, Hamburg und Bremen.

"Kölner Wirren" (1837-1841)

Die Rheinländer sind überwiegend Katholiken, und Köln ist wieder Erzbistum. Unter den Katholiken und insbesondere den katholischen Würdenträgern gibt es Liberale und Anhänger der dogmatischen päpstlichen Linie. Die meisten Preußen und ihr Königshaus sind Protestanten.

Der latente Konflikt eskaliert, als in den 1830er Jahren auf beiden Seiten die Hardliner das Sagen haben. Erzbischof von Droste-Vischering will die päpstliche Linie durchsetzen und erteilt den liberalen Bonner Professoren Lehrverbot - doch die sind Beamte des preußischen Staats! Außerdem verwirft er den bis dahin gültigen Kompromiss im Streit um die religiöse Erziehung von Kindern aus Mischehen. Die preußische Regierung fordert ihn zum Einlenken oder zum Rücktritt auf. Als er sich weigert, wird er am 20. November 1837 verhaftet und anderthalb Jahre auf der Festung Minden gefangen gehalten.

Der Staat verhaftet den Erzbischof - das ist ein Politikum weit über das Erzbistum hinaus. Unmut gegen Preußen wird laut, die Kurie in Rom protestiert scharf, und der bekannte Publizist Josef Görres verfasst eine Verteidigungsschrift für den Erzbischof, den "Athanasius", die großen Anklang findet. Es ist der Beginn des politischen Katholizismus im Rheinland. König Friedrich Wilhelm III. aber bleibt hart. Erst unter König Friedrich Wilhelm IV. (1840-61) kommt der Erzbischof frei, muss aber sein Amt abgeben.

Juli-Revolution (1830/31)

Die Juli-Revolution in Frankreich bewegt die Dinge im übrigen Europa. Die überwiegend katholische Bevölkerung im Süden der Vereinigten Niederlande erhebt sich gegen den überwiegend protestantischen Norden, so entsteht 1831 das Königreich Belgien. Seine freiheitliche Verfassung wird Vorbild für die Liberalen in Deutschland.

Auch Heinrich Heine schöpft neue Hoffnung. Als Jurist bekommt er ob seiner jüdischen Herkunft und seines kritischen Geistes kein Bein auf die Erde, als Dichter macht ihm die Zensur schwer zu schaffen. Als "Die Nacht auf dem Drachenfels" 1827 im "Buch der Lieder" erscheint, werden seine Werke bereits zensiert. Nun reist er nach Paris.

Hambacher Fest (27. Mai 1832)

Etwa 25.000 Menschen aus allen Volkskreisen, unter ihnen auch Franzosen, Polen und Italiener, feiern auf der Maxburg im pfälzischen Hambach das Hambacher Fest. Unter dem Jubel der Teilnehmer fordern die Redner demokratische Rechte und Verbrüderung aller freien Völker: "Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört! Vaterland - Volkshoheit - Völkerbund hoch!"

Das ist politischer Sprengstoff. Staatskanzler Metternich in Wien dringt auf die Einhaltung der Karlsbader Beschlüsse; der Bundestag in Frankfurt verabschiedet am 28. Juni 1832 den "Bundestagbeschluss über Maßregeln zur Aufrechterhaltung der gesetzlichen Ordnung und Ruhe in Deutschland". Neue Demagogenverfolgungen beginnen; Presse und Literatur werden noch strenger zensiert.

Die Werke des "jungen Deutschlands" werden verboten

Schon seit Jahren werden Heinrich Heines Werke zensiert, 1833 werden sie im Staat Preußen, und damit auch in seiner rheinischen Heimat, ganz verboten.

Zahlreiche Dichter um ihn und Bettina von Arnim, Ferdinand Freiligrath, Georg Büchner, Georg Herwegh, Annette von Droste-Holshoff und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben wenden sich gegen die Restaurationspolitik, treten für demokratische Freiheitsrechte und soziale Gerechtigkeit ein. Dabei wählen sie unterschiedliche Ausdrucksformen und bilden auch keine einheitliche Gruppe, insofern ist der zeitgenössische Begriff "Autoren des Jungen Deutschlands" missverständlich. Den staatlichen Autoritäten ist all das egal, mit Beschluss des Deutschen Bundestags vom 10. Dezember 1835 werden alle Veröffentlichungen dieser Autorengruppe verboten. Heinrich Heine ist in diesem Beschluss namentlich erwähnt; er entscheidet sich, für immer in Paris zu bleiben.

Göttinger Sieben (1837)

Welchen Schatz uns die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm mit ihrer Märchensammlung hinterlassen haben, begreift man vielleicht erst richtig, wenn man sich mit ihnen und ihrer Zeit beschäftigt.

Hannovers neuer König hebt die 1833 eingeführte, relativ liberale Verfassung wieder auf. Gegen diesen Rechtsbruch verwahren sich sieben Professoren der Universität Göttingen, die "Göttinger Sieben", unter ihnen die Brüder Grimm. Daraufhin verweist der König die Professoren des Landes, doch wo sie auch hinkommen, werden sie herzlich und voller Bewunderung empfangen. Die Menschen sammeln sogar Geld für sie. Die Behörden aber reagieren verstockt; der preußische Innenminister spricht sogar vom "beschränkten Untertanenverstand".

Rheinkrise (1839-41)

Im Orient konnte Frankreich seine Interessen nicht gegen die Englands, Österreichs, Preußens und Russlands durchsetzen konnte - die alte anti-französische Koalition aus den Napoleonischen Kriegen hatte Frankreich ein "diplomatisches Waterloo" bereitet. Die französische Öffentlichkeit ist empört. Nun fordert die französische Regierung unter Adolphe Thiers das linke Rheinufer - bis an den Rhein, seine "natürliche Grenze" soll Frankreich reichen. Man befestigt Paris, droht dem Deutschen Bund monatelang mit Krieg und rüstet militärisch und geistig auf. In diesen Jahren entstehen "Die Wacht am Rhein" und "Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein". Staatskanzler Metternich kann den Konflikt diplomatisch beilegen, das Kabinett Thiers tritt zurück und die neue französische Regierung ist kompromissbereit - doch der Patriotismus ist militant geworden, man spricht von "Erbfeindschaft".

Im September 1842 feiert man das Kölner Dombaufest: Endlich, nach fast 300 Jahren, soll der Kölner Dom fertig gebaut werden! Auch der neue König Friedrich Wilhelm IV. ist zugegen. Das Fest soll allen im Land zeigen, dass Frieden war zwischen Staat und Kirche. Doch die Spannungen bleiben.

König von Gottes Gnaden - Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861)

Nach über vierzigjähriger Herrschaft verstarb König Friedrich Wilhelm III. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm IV. gilt zu Beginn seiner Herrschaft als Hoffnungsträger. Aber er ist tief durchdrungen vom Gottesgnadentum, er glaubt voll und ganz daran, dass ihm seine Macht und seine Aufgabe als König allein von Gott übertragen sind. Er hat kein Verständnis für den Wunsch vieler Untertanen nach einer geschriebenen Verfassung.

Die Einberufung aller preußischen Provinzialstände zu einem Vereinigten Landtag 1847 ist aus der Not geboren - die Krone braucht Geld für den Eisenbahnbau. Keinesfalls soll es eine gewählte Volksvertretung geben. Doch in den Provinziallandtagen sitzen Adlige, Großbauern und städtische Grundbesitzer, nicht aber Vertreter der Landbevölkerung und der einfachen Leute in den Städten.

Industrielle Revolution und soziale Not

Um die Wende zum 19. Jahrhundert war das Zeitalter der Technik, der angewandten Naturwissenschaften, angebrochen. Die Rheinprovinz ist schon früh industrialisiert, ähnlich wie Berlin und Schlesien. Vorherrschend im Rheinland ist die Textilindustrie, aber bald kommt die Schwerindustrie hinzu. So erlebt der preußische Staat einen wirtschaftlichen Aufschwung, doch zugleich schon früh die durch die "Industrielle Revolution" entstehenden sozialen Probleme. Je mehr Maschinen entwickelt und eingesetzt werden, desto mehr Menschen verlieren ihre Arbeit. Hungerlöhne, Frauen- und sogar Kinderarbeit ändern nichts daran.

Zugleich ziehen unzählige verarmte Bauern und arbeitslos gewordene Handwerker in die Industriezentren in der Hoffnung, in den Fabriken Arbeit zu finden, was wiederum die Löhne drückte. Gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der Arbeiter gegen die Ausbeutung gibt es nicht, die Lebensverhältnisse sind verheerend. Hilfe kommt von weitblickenden Unternehmern wie Alfred Krupp, der Barmer Fabrikant Schuchard setzt sich gegen Kinderarbeit ein, Kirchenmänner wie Johann Heinrich Wichern, Adolf Kolping und dem Bischof von Ketteler beginnen Hilfsprojekte.

Immer mehr Menschen verelenden. Es kommt zu Aufständen von Arbeitern, sie zerstören die Maschinen, die ihnen die Arbeit nehmen. Die Maschinenstürmer werden schwer bestraft. Als sich im Sommer 1844 die schlesischen Weber erheben, lässt die preußische Regierung sie von Soldaten zusammenschießen. Heinrich Heine schreibt sein Weberlied. Zunächst erscheint es im Vorwärts!, zu der Zeit geleitet von Karl Marx. Schon bald wird es verboten. Marx und sein lebenslanger Freund Friedrich Engels gehen nach London.

Auch die Landwirtschaft leidet große Not, nach Missernten in den Jahren 1845 und 1846 kommt es 1847 zu einer Versorgungskrise. Die preußische Regierung liefert Kartoffel- und Getreide, dennoch leiden viele Menschen Hunger. Den Gemeinden fehlt das Geld, um bedürftige Familien zu unterstützen. Viele Menschen wandern aus. Karl Marx (1818-1883), gebürtiger Trierer, schreibt als politischer Journalist bei der "Rheinischen Zeitung" in Köln über die verzweifelte Lage der Bauern in der Eifel und dem Hunsrück und der Weinbauern an der Mosel.

Deutschland. Ein Wintermärchen

Seit langem lebt Heinrich Heine nun in Paris. Der Emigrant Heine ist sehr umstritten, man spricht ihm immer wieder die Vaterlandsliebe ab. Dabei ist er seiner rheinischen Heimat tief verbunden. Was er fürchtet ist ein Nationalismus, der Deutsche und Franzosen aufeinander einschlagen und sich "die Hälse brechen" lässt, wie er es im Vorwort zu "Deutschland. Ein Wintermärchen" schreibt. Den Vater Rhein lässt sagen, dass er die militanten Rheinlieder überhaupt nicht mag.

1843/44 reist Heinrich Heine noch einmal nachhause, nach Deutschland, von dieser Reise erzählt das "Wintermärchen". Es ist ein politisches Gedicht, in dem er gegen die Restaurationspolitik und König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen Stellung bezieht. Schon im Oktober 1844 wird es verboten, gegen Heine ergeht Haftbefehl. Zugleich ist es ein persönliches Gedicht, durch Spott und Ironie hindurch fühlt man seine tiefe Verbundenheit mit der Heimat:

"Gib' dich zufrieden, Vater Rhein,
Denk nicht an schlechte Lieder,
Ein besseres Lied vernimmst du bald -
Leb wohl, wir sehen uns wieder."

Aus Caput V.

Bild- und Quellenachweis

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